
Als Melanie Hafner alias minschtl zu ihrer Blogparade mit dem Titel „Welches Buch hat dein Leben verändert?“ aufgerufen hat, fühlte ich mich zunächst gar nicht angesprochen, weil ich in so großen Kategorien einfach nicht denke. Ich lebe eher im Moment, und obwohl ich gern lese und auch schon einige für mich sehr besondere oder beeindruckende Bücher gelesen habe, würde ich keinem einzelnen Buch so eine zentrale Bedeutung beimessen.
Doch als wir uns neulich noch mal über die Aktion unterhalten haben und Melanie mir ihr Hashtag #InspirierendeBücher noch mal bewusst gemacht hat, keimte in mir eine Idee auf: nicht einen Blogbeitrag über ein Buch zu schreiben, das mein Leben verändert hat, sondern mehrere kleinere Beiträge über Bücher, die mir interessante Impulse gegeben haben.
Den Anfang mache ich mit diesem Beitrag über Oliver Burkemans Buch 4000 Wochen* (engl. Four Thousand Weeks*). Es basiert auf der Erkenntnis des Autors, dass einem Menschen mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung etwa 4000 Wochen zur Verfügung stehen. Burkemans Reaktion auf diese Erkenntnis war ganz ähnlich wie meine eigene: Er bricht nicht etwa in Panik aus, weil wir nur noch so wenig Zeit zur Verfügung haben, sondern beginnt zu hinterfragen, wie er seine begrenzte Zeit nutzen kann und möchte.
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Eine befreiende Erkenntnis
Auf mich hatte das Buch eine unglaublich befreiende Wirkung. Dass wir nur eine begrenzte Lebenszeit zur Verfügung haben, bedeutet nämlich im Umkehrschluss auch, dass wir niemals alles schaffen können, was wir vielleicht tun wollen, sollen, müssen … Burkeman argumentiert, dass wir, selbst wenn wir besonders produktiv und besonders effizient sind und dadurch Zeit einsparen, diese „geschenkte“ Zeit im Nu mit neuen Aufgaben, neuen Vorhaben, neuen Ideen füllen. Nach dem Motto: „Ich habe ein bisschen zusätzliche Zeit, da könnte ich doch …“
Für mich wurde klar: Wenn wir gar nicht alles schaffen können, was auf unserer To-do-Liste und unserer Want-to-do-Liste steht, wäre es doch vollkommen unsinnig, es zwanghaft zu versuchen. Warum sollten wir immer noch schneller und noch effizienter werden und dadurch noch mehr Stress in unser Leben holen, nur um dann trotzdem – jetzt auch noch ausgepowert und unzufrieden – mit einer immer noch vollen To-do-Liste dazusitzen? Deshalb feiere ich auch den Untertitel der deutschen Ausgabe des Buches so sehr. Er heißt: „Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement“.
Stattdessen ergibt es doch viel mehr Sinn, bewusste Entscheidungen zu treffen und die Zeit, die wir haben, mit Dingen zu füllen, die es uns wirklich wert sind. Genau zu überlegen: Wofür will ich meine kostbare Zeit „ausgeben“. Was ist wichtig genug? Was erfüllt mich? Was bringt mich voran? Womit kann ich andere unterstützen und dadurch auch mir selbst etwas Gutes tun?
Welche Kriterien wir bei diesen Entscheidungen anlegen, ist dabei natürlich vollkommen uns selbst überlassen.
Und was ist mit den unangenehmen Pflichten?
„Aber was ist mit den Dingen, auf die wir keine Lust haben?“, wirst du jetzt vielleicht fragen. „Mit den Sachen, die wir einfach tun müssen, an denen wir nichts ändern können?“
Nun, für diese Dinge habe ich mehrere Strategien:
Ich nehme mir vor, sie gezielt und effizient zu tun, um nur so viel Zeit dafür aufzuwenden, wie es eben sein muss.
Und ich versuche, sie mit möglichst viel Spaß und Freude anzureichern und auf diese Weise auch aus „blöden“ oder unangenehmen Aufgaben noch etwas Positives für mich rauszuziehen. Wenn ich schon die Aufgabe selbst nicht vermeiden kann, dann kann ich zumindest die Umstände ändern – z. B. währenddessen meine Lieblingsmusik hören, die Aufgabe in einer schönen Umgebung erledigen oder in Gesellschaft netter Menschen (Stichwort: digitales Coworking).
Statt mich zu ärgern, dass ich dies oder jenes tun muss, kann ich offen und mit Neugier an eine Aufgabe drangehen und einfach mal schauen, was dabei passiert. Vielleicht überrascht mich die Aufgabe ja, womöglich kann ich ihr sogar etwas Positives abgewinnen. Oder sie geht mir leichter von der Hand als gedacht. Und selbst wenn nicht: Wenn ich sie schon machen muss, dann doch zumindest mit so wenig negativen Gefühlen und Widerständen wie möglich.
Kein Zen-Buddhismus, aber ein bewussterer Blick
Natürlich bin ich durch das Lesen von 4000 Wochen nicht plötzlich zur Zen-Buddhistin geworden, und ich lebe auch nicht jeden Tag so, als wäre es mein letzter. Aber ich denke doch bewusster darüber nach, ob ich lieber eine Stunde doomscrolle (und mich danach über die vertane Zeit ärgere) oder ganz bewusst eine Folge meiner Lieblingsserie anschaue, mich mit Freunden zu einem Spieleabend treffe oder einfach meine Katze beim Schlafen beobachte.
Genau dieser Gedanke ist letztlich auch ein Grundpfeiler von „Einfach umsetzen!“ geworden: Es geht nicht darum, noch effizienter zu werden und noch mehr zu schaffen, sondern bewusst auszuwählen, was wirklich wichtig ist – und das dann mit Leichtigkeit anzugehen, statt sich von einem übervollen Berg an Aufgaben erschlagen zu lassen.
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