
Wer mich kennt, weiß, dass ich eine ziemlich große Leseratte bin. Oder vielmehr: war. Und genau das ist das Problem bzw. der Ausgangspunkt für diesen Post und für mein nicht ganz so kleines Tiny Experiment.
Früher hab ich richtig viel gelesen. Als Kind sowieso, als Jugendliche noch mehr, und auch als Erwachsene war das Lesen immer eines meiner liebsten Hobbys. Ich hab Bücher verschlungen, über die gelesenen Bücher gebloggt, an Lesemarathons teilgenommen (zum Beispiel #24in48, also 24 Stunden lesen innerhalb von 48 Stunden) …
Man kann mit Fug und Recht sagen: Lesen war ein Teil von mir.
Doch irgendwann hat sich das geändert. Vielleicht lag es daran, dass ich beruflich so viel gelesen habe, vielleicht wurden andere Dinge wichtiger. Jedenfalls habe nicht mehr regelmäßig gelesen, sondern eher anfallsartig – im Urlaub, mal an einem Wochenende oder ein paar Tage lang, wenn mir ein besonders interessantes oder spannendes Buch untergekommen war. Aber selbst diese „Anfälle“ wurden immer weniger. Aktuell lese ich mit Hängen und Würgen die Bücher für den Literaturkreis – und selbst die schaffe ich nicht immer. Und alle zwei Wochen nehme ich beim FachbücherFreitag für 40 Minuten ein Sachbuch zur Hand.
Das war’s. Ansonsten: Nada.
Und dann kam dieser eine Freitag
Neulich habe ich bei der „Reading for Pleasure“-Ausgabe des FachbücherFreitags nicht nur ein neues Buch angefangen, sondern es im Anschluss sogar direkt durchgelesen. Komplett. Fast am Stück. 😲
Und es war toll! Also nicht das Buch, das war eher „so ganz okay“ – aber das Lesen! Das habe ich wirklich genossen.
Nachdem ich das Buch fertig hatte, hab ich leider nicht direkt ein neues angefangen, weil ich gerade keine Zeit hatte und andere Dinge wichtiger waren … Und schwupps war das Momentum wieder weg. 😔
Wie aus einem Buch ein Experiment wurde
Gestern hatte ich dann ganz überraschend den Impuls, endlich mal Anne-Laure Le Cunffs Tiny Experiments (dt. Ausgabe / engl. Ausgabe)* zu lesen. Bisher kannte ich ihr Prinzip nur aus einem Workshop und wollte schon lang mal das Buch dazu lesen. Wunderbarerweise hatte ich gestern nicht nur Lust darauf, sondern auch Zeit und Energie, dem Impuls auch wirklich zu folgen.
Und während ich da so über das Experimentieren ohne ein festes Ziel las, über Menschen, die sich vornehmen, 100 Tage lang jeden Tag zu programmieren oder 25 Wochen lang jede Woche einen Newsletter zu schreiben, war es plötzlich da: mein eigenes Tiny Experiment.
Ich werde 100 Tage lang jeden Tag in einem Buch lesen – und beobachten, wie es mir damit geht.
Ich nehme mir ganz bewusst weder eine Zeitspanne noch eine Seitenzahl fürs tägliche Lesen vor. „Trackable, not measurable“ nennt die Autorin das. Man soll sich etwas suchen, das man einfach abhaken kann: Habe ich heute gelesen? Ja, hab ich. Möglichst einfach, damit es auch an jedem Tag und in jeder persönlichen Situation klappen kann.
Damit ich das Momentum nicht verliere, habe ich gestern direkt damit angefangen und schnell noch einen Post dazu auf Instagram veröffentlicht – für ein besseres Commitment. 😉 Gestern war also Tag 1 meines nicht ganz so kleinen Tiny Experiments, an hundert aufeinanderfolgenden Tagen in einem Buch zu lesen.
Jetzt bin ich natürlich gespannt, wie es mir mit meinem Experiment ergeht, ob es mir schwer oder leicht fallen wird, konsequent jeden Tag zu lesen – und was das tägliche Lesen mit mir macht. Gerade überwiegt ganz klar die Neugier, die Spannung. Ich freu mich sehr darauf!
Welches Experiment könntest du dir vornehmen?
Vielleicht habe ich dich mit meinem Plan inspiriert, dir auch ein kleines Experiment vorzunehmen. Wenn ja: Tu es! Probier was aus, sei neugierig!
Alles, was du dazu brauchst, ist ein Vorhaben, das du für eine festgelegte Zeitdauer ausprobieren willst. Das können zwei Wochen sein, ein Monat oder wie bei mir drei Monate. Der Zeitraum soll lang genug sein, um experimentieren zu können, aber kurz genug, dass du dein Experiment auch wirklich durchhalten kannst.
Wie du dein Experiment gestaltest
Die Kriterien für das Tiny Experiment sind ganz einfach:
- P = Purposeful (= sinnhaft). Das Experiment sollte für dich sinnhaft sein, sich um etwas drehen, auf das du Lust hast, das dich begeistert, das du auch wirklich machen bzw. mal ausprobieren möchtest.
- A = Actionable (= umsetzbar). Das Experiment sollte etwas sein, das du verlässlich machen kannst, also nichts, was sehr stark von äußeren Umständen abhängt, die dich dann an der Durchführung hindern könnten.
- C = Continuous (= kontinuierlich). Im Sinne eines experimentellen Ansatzes braucht das Ganze regelmäßige Wiederholungen, durch die Daten gesammelt werden. Es sollte also etwas sein, das du z. B. jeden Tag, jede Woche oder jedes Wochenende machen kannst.
- T = Trackable (= nachverfolgbar). Das hatte ich oben schon erwähnt: Es geht nicht um messbare Fortschritte oder darum, ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Wichtig ist, dass du dein Vorhaben durchführst. (Habe ich heute/diese Woche XYZ gemacht? Ja!)
Wenn du ein passendes Vorhaben für dein Tiny Experiment gefunden hast, formulierst du daraus einen PACT nach dem Schema, das ich auch angewendet habe:
Ich werde [Zeitraum] [Häufigkeit] [Vorhaben].
Ich werde 100 Tage lang jeden Tag in einem Buch lesen.
Wenn du möchtest, schreib mir deinen PACT in die Kommentare. Denn dein Tiny Experiment für dich selbst aufzuschreiben, ist der erste wichtige Schritt. Es mit jemand anderem zu teilen, gibt dir zusätzliche Motivation, auch wirklich dranzubleiben.
Apropos dranbleiben: Ich werde auf Instagram regelmäßig über den Verlauf meines Tiny Experiments und meine Erkenntnisse berichten und freue mich, wenn du mich dabei begleitest.
* Werbung, Affiliate-Link: Wenn du auf diesen Link klickst und dich für einen Kauf entscheidest, wird Einfach umsetzen! daran beteiligt und ich bedanke mich ganz herzlich. Dir entstehen dadurch keine weiteren Kosten.
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